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Der kleine König Korona

Autor:
ISBN: 978-3-910993-43-3
Verfügbar: 91
ISBN: 978-3-910993-43-3

12.90€

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Glaubst du, du kennst die Geschichte schon? Den König, das Virus, den Untertan, das Gesetz? Dieses Buch erzählt sie neu – aus dem Innersten der Absurdität.

Es ist ein Tagebuch der Isolation, ein modernes Märchen, eine Satire in Zeiten kollektiver Hysterie. Zwischen Hamsterkäufen und Hofprotokoll, Großmutterbesuch und Gottesdienstverbot – hier wird nicht nur regiert, sondern fabuliert. Christiane Meusel schreibt hellsichtig, humorvoll und mit einer Zärtlichkeit, die dort berührt, wo sonst nur Sprachlosigkeit herrscht.

Ein Buch über Angst. Und Anstand. Und darüber, warum man manchmal einfach die Brille aufsetzen sollte.

Tag eins

Mit Frau Meier hat die letzte Bewohnerin meines Mehrfamilienhauses die Flucht ergriffen. Minuten vorher war Frau Müller eilig, fast stolpernd, die zwei Stockwerke hinuntergeeilt und hatte sich dabei beinahe den Knöchel gebrochen, als sie auf der vorletzten Stufe umgeknickt war. Und Herr Lehmann hatte sich in vollendeter Hektik am Geländer des Treppenhauses einen Spreißel eingerissen. Ich nehme an, die Unaufmerksamkeit war Nebenwirkung seiner Panik gewesen.

Mein Mietshaus ist jetzt leer. Von mir mal abgesehen. Nur Schreie des Entsetzens hallen noch etwas in den Flurwänden. Dabei hatte ich doch nur kurz gehustet, bevor ich mit meinen schweren Einkaufstaschen im obersten Stockwerk angekommen war. Vielleicht war es das Mehl gewesen. Die letzte Tüte im Supermarkt war doch schon ein bisschen eingerissen. Ich hatte sie einer älteren Dame aus der Hand zerren müssen. Die hatte den ganzen Wagen vollgeladen! Reis war ausverkauft. Deshalb hatte ich vom Mehlstaub gehustet.

Tag zwei

Ich versuche, einen Termin bei meinem Hausarzt auszumachen. Das Missverständnis muss doch leicht aus der Welt zu schaffen sein. Ich war nicht krank! Aber niemand der Hausbewohner hatte mir geglaubt. Ja, man hatte mich noch nicht einmal angehört. Einmal husten – alle tot. Hilfe!

Beim Hausarzt ist zunächst kein Durchkommen. Doch irgendwann höre ich am anderen Ende der Leitung die etwas verschnupft klingende Stimme von Frau Krüger, der eigentlich sehr freundlichen Sprechstundenhilfe.

„Ich brauche einen Termin bei Doktor Specht. Mein Husten ist nicht ansteckend, ich habe doch nur…“ Weiter komme ich nicht.

„Bleiben Sie um Himmels Willen zu Haus. Bitte, kommen Sie nicht!“ Und schon hat sie aufgelegt. Vielleicht war das gar nicht Frau Krüger. Die Stimme hatte einen hysterischen Unterton. 

Im Radio warnen sie vor dem ungeahnten Umsichgreifen des Virus. Jedermann sei aufgerufen, bei Husten umgehend die häusliche Quarantäne einzuhalten. Selbst die Arztpraxen schließen. Experten vergleichen das Ausmaß der Epidemie mit der Pest. Doch niemand wird mehr untersucht. Wie auch? Ferndiagnosen haben Hochkonjunktur.

Mir fällt auf, dass ich bei meinem wilden Hamsterkauf das Brot vergessen habe. Und mache mich in meiner eigenen Häuslichkeit auf die Suche nach Ersatz. Was ich da alles an Keksen finde. Das Mindesthaltbarkeitsdatum der meisten Fundsachen ist zwar längst überschritten, aber wir leben ohnehin nicht mehr lange, da ist das auch egal.

Tag drei

Deutschlandradio berichtet von einer steigenden Zahl von Knochenbrüchen. Bei Schlägereien im Supermarkt stürzen immer mehr Menschen und ziehen sich lebensgefährliche Frakturen zu. Wer nicht vor den Regalen gestürzt ist, wird spätestens an der Kasse von irgendeinem Aufgebrachten beschuldigt, heimlich und widerrechtlich sein Haus verlassen zu haben.

Eigentlich wäre mir eine offizielle Diagnose lieb. Denn ich war nur für kurze Zeit einem allergischen Mehlhusten erlegen. Möglicherweise war die Hysterie ansteckender als die Krankheit selbst? Aber ich halte mich an die mir unverständlichen Regeln und inspiziere meinen Kühlschrank. Mal sehen, was sich hier noch alles Essbares findet. Hysterie ist schließlich kein Schnupfen. Kommt drei Tage, steht drei Tage, geht drei Tage. Ach Mensch, die Hirschsalami! War die nicht von der Metzgerei, die vor drei Jahren zugemacht hatte?

Tag vier

Im Radio nichts Neues. Von der neuen Erkrankung scheint sich niemand zu erholen. Sekündliche Neuerkrankungen werden deklamiert. Zählen die auch solche wie mich? Mehlhusten! Aber jeder weiß, dass es schlimm um mich steht.

Ich surfe ein bisschen in den Foren nach Gründen für meine Isolation. Und die der anderen. Und eigentlich interessiert mich auch, wo meine 

Nachbarn sind. Vielleicht schon tot? Doch auch im Netz scheint das Virus um sich gegriffen zu haben. Die Forenteilnehmer scheinen alle einer Geisteskrankheit erlegen zu sein. Von A wie Apokalypse bis Z wie Zorn Gottes, ich finde nicht eine einzige Theorie, bei der irgendjemand am Leben bleibt.

Ist vielleicht dann auch besser so, denke ich und beginne meine alten DVDs zu durchforsten. Hier! Sex in the City! Die Staffel hatte mir meine Schwester geschenkt und ich war noch nicht dazu gekommen, sie einmal anzusehen. Vielleicht hat das Virus ja doch irgendetwas Gutes.

Tag fünf

Ich bekomme eine Panikallergie, aber niemand will die behandeln.

„Eine solche Allergie ist hier aktuell nicht bekannt!“, brüllt der Sachbearbeiter des Ministeriums in den Hörer.

Fieberhaft überlege ich, ob auch Langeweile ansteckend oder tödlich ist, und beschließe, auch meine Vorratsschränke im Keller einer gründlichen Inspektion zu unterziehen. Was da alles zum Vorschein kommt! Igitt! Hatte ich wirklich mal Dorschleber gekauft? Und warum hatte ich die nie gegessen?

Nach Abschluss meiner Inventur steht fest: Ich hätte gar nicht einkaufen müssen. Sogar Mehl war noch da. Gottseidank finde ich auch die eiserne Reserve meines Schnapsvorrates.

Tag sechs

Mein Radio streikt. Es hat wohl genug gehört. Keine einzige Meldung dringt mehr zu mir durch. Ich fühle mich gesund, aber mein Nudelvorrat neigt sich dem Ende zu. Die Makkaroni sind sämtlichst verspeist. Bleibt noch die Tüte Fusilini. Auch Pesto und Soße habe ich keine mehr. Nudelrezepte ohne Soße kenne ich nicht. Nudeln ohne alles schmecken mir nicht.

Irgendetwas brauche ich, um die trockenen Dinger runterzukriegen. Im Bad finde ich hinter einer abgelaufenen Bodylotion noch eine Packung 

Hakle feucht. Müsste eigentlich auch gehen. Das andere Papier muss ich sparen. Ach, und hier! Das letzte Bier! Beim Anblick des Etiketts muss ich husten. Ebola extra, lese ich.

Am siebten Tag

Am siebten Tag schuf Gott den Verstand! Aber da war er schon ein bisschen müde.

Magnus Franz an 29.09.2025 01:28 PM
stars-5 THK Verlag | Der kleine König Korona
„Der kleine König Korona“ von Christiane Meusel ist kein leichtes Büchlein, sondern eine witzig-satirische Sammlung von Miniaturen aus der Coronazeit. Mit scharfem Blick und liebevoller Ironie verwandelt die Autorin Isolation, Hamsterkäufe, Maskenball und Denunziantentum in kleine Theaterstücke

Was das Buch stark macht, ist die Mischung aus Humor und Tiefsinn: Es nimmt den Wahnsinn der Jahre 2020/21 ernst, ohne je schwerfällig zu werden. Stattdessen öffnet es mit feinem Spott eine Tür zum Schmunzeln und Nachdenken. Die Geschichten lesen sich wie ein Tagebuch der absurden Wirklichkeit, gewürzt mit Sprachwitz und überraschenden Pointen.

Fazit: Ein Buch, das Mut macht, weil es zeigt, dass selbst in dunklen Zeiten Humor eine Überlebensstrategie sein kann. Empfehlenswert für alle, die die Corona-Jahre nicht verdrängen, sondern augenzwinkernd verstehen wollen.
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