Herman Anders Krüger
Thüringer Bibliothekar, Politiker, Erzähler (1871–1945)
Herman Anders Krüger wurde am 11. August 1871 in Dorpat (heute Tartu, Estland) als Sohn eines Lehrers und Predigers der Herrnhuter Brüdergemeine geboren; seine Mutter stammte aus Neudietendorf in Thüringen. Nach Lehrtätigkeiten in Königsfeld im Schwarzwald, Genua und Dresden verließ er die Brüdergemeine und studierte in Leipzig Geschichte, Nationalökonomie, Germanistik und Geographie. 1898 wurde er promoviert, arbeitete danach in Dresden als Lehrer, Bibliothekar und Museumsassistent und habilitierte sich 1905 an der Technischen Hochschule Hannover, wo er als Privatdozent und ab 1909 als Professor deutsche Literaturgeschichte lehrte.
Im Ersten Weltkrieg diente Krüger als Reserveoffizier, zuletzt als Inspekteur von Kriegsgefangenenlagern. Nach dem Krieg engagierte er sich für die Deutsche Demokratische Partei: Er war Abgeordneter der Weimarer Nationalversammlung, von 1920 bis 1921 Thüringer Staatsrat und von 1921 bis 1929 Abgeordneter und Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag. Von 1921 bis 1925 leitete er die Landesbibliothek Gotha, 1928 übernahm er die Thüringische Landesbibliothek in Altenburg. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde er 1934 aus dem Amt gedrängt und zog sich nach Neudietendorf zurück, wo er sich seinen schriftstellerischen Arbeiten widmete. Er starb dort am 10. Dezember 1945.
Sein bekanntestes Werk ist der autobiografisch geprägte Erziehungsroman „Gottfried Kämpfer“ (1904), der mehrfach übersetzt wurde und eine Auflage von über 100.000 Exemplaren erreichte. Daneben verfasste er Dramen, Gedichte, literaturwissenschaftliche Studien, ein „Deutsches Literatur-Lexikon“ (1914) sowie regionalgeschichtliche Arbeiten. „Verjagtes Volk – Eine Thüringer Waldtragödie“ (1924) rekonstruiert auf Grundlage der Gothaer Archivakten das Schicksal des Wilderer- und Frevlerdorfes Lütsche im Thüringer Wald, dessen Bewohner im 19. Jahrhundert vertrieben wurden. Krügers Wirken wurde erst nach 1990 wiederentdeckt.
Geboren 1871 in Dorpat (Tartu, Estland).