Cover: Am Sarg der Sojus

Am Sarg der Sojus

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Scherzer lebte die Auflösung eines Imperiums von innen – mit einer 82-jährigen Babuschka, einer Wasserpumpe an der Straße und offenen Augen.

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Kaluga, Herbst 1991. Die Sowjetunion stirbt, und Landolf Scherzer zieht in das Holzhaus der 82-jährigen Babuschka Jelena Frolowa an der Belinskowo 28. Er holt Wasser von der Straßenpumpe, steht stundenlang nach einem Kilo Zucker an und teilt den Alltag mit einer Frau, die ein ganzes Jahrhundert russischer Umbrüche in sich trägt. Von hier aus reist er ein halbes Jahr lang durch ein Land, das gerade aufhört zu existieren – zu Litauern und Tataren, Wolgadeutschen und Ukrainern, zu Popen und Bolschewiken, Farmern und Philosophen, Häftlingen und Millionären.

Was Scherzer dabei aufschreibt, ist keine Abgesangsreportage und kein westlicher Blick auf östlichen Verfall. Es ist das genaue Hinhören bei Menschen, deren Gewissheiten sich über Nacht aufgelöst haben – und die trotzdem weiterleben, weiterwirtschaften, weiterstreiten. Das Buch fragt nicht, warum die Sowjetunion scheiterte. Es fragt, was mit den Menschen geschieht, wenn der Staat, in dem sie alt geworden sind, unter ihren Füßen verschwindet. Und es zeigt einen Autor, der diese Frage nur stellen kann, weil ihm gerade dasselbe widerfahren ist.

Ein Buch für alle, die wissen wollen, wie sich Geschichte anfühlt, wenn sie nicht in Leitartikeln stattfindet, sondern in Küchen, Schlangen und Zugabteilen. Und für alle, die ahnen, dass man das Gestern kennen sollte, bevor man über das Heute spricht.

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