Im Jahr 1867 erreicht der erste Zug den Arnstädter Bahnhof – und mit ihm beginnt eine Geschichte, die weit über Gleise und Fahrpläne hinausreicht. Jürgen Ludwig erzählt in sechs Kapiteln die Geschichte eines Bahnhofs, der Kriege, Teilung, Umbrüche und stille Neuanfänge erlebt hat. Vom Kaiserreich über zwei Weltkriege, durch vier Jahrzehnte DDR bis in eine Gegenwart, die selbst nur Zwischenaufenthalt ist. Dabei entsteht das Bild eines Ortes, an dem sich die großen Verwerfungen deutscher Geschichte im Kleinen spiegeln – in Dienstplänen, Stellwerken und den Biografien derer, die dort gearbeitet haben.
Ludwig, dessen eigener beruflicher Weg auf dem Arnstädter Hauptbahnhof begann, hat Archive durchgesehen und vor allem Menschen befragt. Das Buch verdankt seine Substanz diesen Gesprächen. Es fragt nicht nur, wann welcher Zug wohin fuhr, sondern was die Eisenbahn für eine Stadt und ihre Leute bedeutet hat – als Arbeitgeber, als Verbindung zur Welt, als Ort, an dem gesellschaftliche Umbrüche ganz konkret ankamen. So ist kein Eisenbahn-Sachbuch im engeren Sinne entstanden, sondern ein Stück Regionalgeschichte, in dem technische Fakten ihren Platz haben, aber den Menschen nicht den Rang ablaufen.
Ein Buch für alle, die sich für die Geschichte Arnstadts und Thüringens interessieren, für Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Dienst und im Ruhestand – und für Leser, die wissen, dass sich an einem einzelnen Bahnhof manchmal mehr über ein Land erfahren lässt als in mancher Gesamtdarstellung.