Möhrenbach im Thüringer Wald, ein Novemberabend des Jahres 1909: Der Forstaufseher Albin Walther trifft bei der schwarzen Brücke auf den Wilderer August Lutz. Nur einer der beiden kehrt nach Hause zurück. Andreas Zibell rekonstruiert in seiner dokumentarischen Erzählung diesen Kriminalfall aus den Akten, aus Zeitungsberichten, aus den Spuren, die das Ereignis in der Gegend hinterlassen hat. Er zeichnet das Leben zweier Männer nach, die einander kannten, wie man sich in kleinen Orten kennt – und die an einem Punkt aufeinandertrafen, an dem es kein Ausweichen mehr gab.
Was Zibell dabei freilegt, geht über den einzelnen Fall hinaus. Es ist die Geschichte einer ländlichen Welt, in der Wald und Wild keine Idylle bedeuteten, sondern Existenzgrundlage, Konfliktstoff, Machtfrage. Der Wilderer war kein romantischer Rebell, der Förster kein bloßer Ordnungshüter. Zwischen Armut und Gesetz, zwischen dörflicher Nähe und behördlicher Strenge verliefen Risse, die tief genug waren, um tödlich zu werden. Die Erzählung fragt nicht nach einfacher Schuld, sondern nach den Verhältnissen, die solche Schuld hervorbringen.
Ein Buch für alle, die sich für die Geschichte des Thüringer Waldes jenseits der Wanderwegprospekte interessieren – und dafür, was sich aus einem einzelnen, genau betrachteten Fall über eine ganze Epoche erfahren lässt.