Gotthun, ein kleines Dorf an der Müritz, in den späten fünfziger Jahren. Ein Junge wächst auf zwischen Schilf und Wasser, zwischen den Stimmen der Erwachsenen und der Stille der mecklenburgischen Landschaft. Peter Rehfeldt erzählt episodenhaft von einer Kindheit, die sich in Bildern verdichtet: das Licht auf dem See, die Arbeit der Fischer, die Gerüche einer Küche, die Nachbarn, deren Geschichten man erst viel später versteht. Es ist eine Welt, die längst verschwunden ist, nicht durch Katastrophen, sondern durch das leise Vergehen der Zeit.
Was bleibt von einem Ort, den man als Kind verlassen hat? Rehfeldt geht dieser Frage nach, ohne Verklärung und ohne den Gestus der großen Abrechnung. Sein Gotthun ist kein Sehnsuchtsort, sondern ein genau beobachteter Raum, in dem sich die Widersprüche einer Epoche spiegeln. Die Erinnerung arbeitet hier nicht als Flucht, sondern als Methode: Jede Episode legt eine Schicht frei, die das Vergangene weder beschönigt noch anklagt, sondern es in seiner Eigenart bestehen lässt. Die Müritz ist dabei mehr als Kulisse, sie ist Taktgeber eines Lebens, das sich nach dem Rhythmus des Wassers richtet.
Ein Buch für Leser, die wissen, dass Kindheit kein Idyll ist, sondern der Ort, an dem sich die Wahrnehmung formt. Und für alle, die sich für das interessieren, was jenseits der Postkartenmotive an den Seen Mecklenburgs tatsächlich gelebt wurde.