Dieter Rathgeber wächst in Finsterbergen auf, wird Bauingenieur, steigt zum Kombinatsdirektor auf – und steht 1990 vor der Frage, die sich Tausenden stellt: Was bleibt, wenn das System verschwindet, in dem man gearbeitet, gebaut, gelebt hat? Sein Weg führt vom volkseigenen Betrieb in einen westdeutschen Baukonzern, von der Planwirtschaft in den Markt, von einer Sprache in eine andere. Auf 152 Seiten erzählt er achtzig Jahre, zwei Ordnungen und die Brüche dazwischen – nüchtern, mit dem Blick eines Ingenieurs, der gewohnt ist, Tragfähigkeit zu prüfen.
Das Buch handelt nicht nur von Karriere und Anpassung. Es handelt von der Frage, wie viel Eigenes sich bewahren lässt, wenn sich die Verhältnisse grundlegend ändern. Rathgeber beschönigt weder die DDR noch verklärt er die Nachwendezeit. Er beschreibt, was es bedeutet, Verantwortung zu tragen – erst in einem Staat, der Eigeninitiative misstraut, dann in einer Wirtschaft, die nach ganz anderen Regeln funktioniert. Die heiteren Passagen stehen neben den ernsten, ohne dass das eine das andere entschärft.
Ein Buch für alle, die sich für gelebte ostdeutsche Biographien jenseits der großen Deutungen interessieren – und dafür, was Umbrüche mit den Menschen machen, die sie nicht von außen kommentieren, sondern von innen durchstehen.